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RAINER WERNER FASSBINDER IN FRANKFURT 

1. März 2019 | 10:00 - 1. März 2020 | 17:00

Fassbinder, das enfant terrible der deutschen Nachkriegsfilmgeschichte, erhält im Frühjahr 2019 in Frankfurt am Main eine nach ihm benannte Forschungseinrichtung, die der Öffentlichkeit sein Werk, seinen Nachlass und seine einzigartige Bedeutung für den deutschen Film zugänglich machen will.

Fassbinder prägte den westdeutschen Film der 1970er Jahre wie kein Zweiter und gehörte nie zum Mainstream. Er war herausfordernd, oft nicht konsensfähig, provokant und – wie Verena Lueken es kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zusammenfasste – „ungemütlicher als Beuys, Richter oder Grass“ (FAZ vom 14.9.2018). Fassbinder war seiner Zeit um Längen voraus. Dies hinderte Bewunderer jedoch nicht daran, seine künstlerische Arbeit als das zu erkennen, das sie bereits in den 1970er Jahren war: Eine unbequeme, oftmals rücksichtslos provokante, gnadenlose Abrechnung mit dem Leben, einer als unzulänglich empfundenen Gesellschaft, den Menschen mit ihrem Mangel an unbelastetem, genauem Denken. Es geht sicher auch im neuen Fassbinder Center nicht darum, das Rätselhafte und Unverständliche aus Fassbinders Werk aufzuarbeiten und „übersetzen“ zu wollen. Vielmehr offeriert die Wahl des Ortes der Forschungseinrichtung – in unmittelbarem Kontakt mit Studierenden und dem akademischen Milieu – eine neue, lebendige Auseinandersetzung mit dem Werk des Künstlers. Gebrauchsgegenstände Fassbinders sollten in diesem Kontext nicht als Illustration, sondern als Teil eines Schaffensprozesses begriffen und interpretiert werden, von dem es heute, jenseits der zeitgenössischen Widerstände und Proteste, noch viel zu entdecken gibt.

Fassbinder beschränkte sich nicht auf ein Genre oder ein schmales Spektrum, vielmehr arbeitete er mit diversen Stilformen und Genreversionen – und rieb sich dabei immer wieder an deutschen Verhältnissen und der deutschen Geschichte, dem kollektiven Unbewussten der (west-) deutschen Nation. Hochstilisiert kontrastierte er Politik und Geschichte „von oben“ mit individuellen Schicksalen, die sich an diesen Vorgaben abarbeiten, in ihnen verkanten und letztlich scheitern; die Leerstelle des Nationalsozialismus, die die gepeinigten Figuren hinterlassen haben und mit der er die Zuschauer schonungslos konfrontiert sowie bis in den hintersten Winkel spüren lässt, entsprechen seiner Art zu denken und zu handeln. Fassbinder war „das“ Karriere-Sprungbrett schlechthin: Aus der Zusammenarbeit mit ihm gingen  internationale Filmstars, allen voran Hanna Schygulla, hervor (zum Beispiel in „Die Ehe der Maria Braun“, 1978, und „Lili Marleen“, 1981). Sein Abstand zu den Figuren, der seiner Figuren zu dem ihnen zugedachten Leben, legt Vergleiche mit Bertolt Brecht nahe, obwohl sich dieser nur einmal – vergeblich – bemühte, den Film für sich nutzbar zu machen. Fassbinder hingegen arbeitete auch am Theater. Sein bis heute umstrittenstes Werk „Die Stadt, der Müll und der Tod“ lässt weitesgehend offen, ob und wie Fassbinder mit dem Klischee des reichen Juden spielt. Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit sind bei Fassbinder oft eine Ware, ein Potenzial, das man ausschöpfen kann. Mit dem Escort Frankfurt findet jeder Fassbinder-Begeisterte die Begleitung in die neue Ausstellung, zum Film oder zum anschließenden Gespräch…und gerne mehr.

UNGEZÜGELTES PRIVATLEBEN, HOHES ARBEITSETHOS

Geboren am 31. Mai 1945 im bayerischen Bad Wörishofen, wuchs Fassbinder nach der frühen Trennung seiner Eltern bei seiner Mutter auf, die ihm alle Freiheiten ließ und ihn schon früh für das Kino begeistern konnte. Verschiedene Versuche einer „klassischen“ Theater- oder Filmkarriere scheiterten, doch tat dies seinem Schaffen keinen Abbruch. Rainer Werner Fassbinder war zwanghaft kreativ, er war die sprichwörtliche Kerze, die von beiden Seiten brannte und sich dabei ohne Rücksicht auf sich oder andere schnell und ungehemmt verbrauchte. Fassbinder hat viele Menschen seines Umfelds vereinnahmt, er hatte mit ihnen „ein fast höriges Team, um es wie Marionetten an den eigenen Neurosen, Zusammenbrüchen und Exaltiertheiten entlangführen zu können“ (der Filmemacher Oskar Roehler 2002 im Berliner Tagesspiegel). Politisch geprägt wurde er von der Bürgerrechtsbewegung der humanistischen Union, zu der Persönlichkeiten wie Mitscherlich, Habermas und Kilian zählten und die für ihn eine Gegenöffentlichkeit zum konservativen Adenauer-Deutschland darstellten. Fassbinder hatte, wie viele Künstler seiner Zeit, das Bedürfnis, die Gesellschaft zu beeinflussen. Dies führte zu einer hohen Aufmerksamkeit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gegenüber, zu Sensibilität für Machtstrukturen im Leben und in der Liebe – was sich bei ihm in aggressiver Kreativität und entsprechend drängendem künstlerischem Ausdruck niederschlug.

Es ging dem offen homosexuellen Fassbinder um Macht und Missbrauch, besonders in der Liebe. Angetrieben von seinem Unbehagen an der Realität, wurde Ästhetik bei ihm nie zum Selbstzweck, sondern funktionierte als schöpferische Kraft zwischen Eros und Ethos. Er „hatte einen scharfen und distanzierten Blick auf die sexuellen Machtverhältnisse“ (Ursula Carven, Ex-Frau von Fassbinder, 2007 im Tagesspiegel). Macht und Angst waren seine zentralen Themen. So entstanden radikal persönliche Filme, die ihre kritische Distanz zu ihren Helden wahrten. Sie waren bewusst konstruiert und strebten nicht an, realistisch zu sein. So kommt es nicht von ungefähr, dass Frauen meist die zentralen Figuren im Werk Fassbinders darstellen – Frauen, die er aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position für die Stärkeren, Kreativeren hielt, jedoch nicht meinte, sie seien komplizierter oder zerbrechlicher als Männer. Fassbinder erwartete, forderte Liebe, manchmal auch Unterwerfung. Persönlich wie künstlerisch agierte er offen besitzergreifend – seine Liebhabern und Liebhaberinnen, Ehefrauen und Mitstreitern eingeschlossen. Private Machtspiele interessierten ihn ebenso sehr wie jene in seiner Kunst – eine Dynamik, die beide Bereiche untrennbar miteinander verknüpfte.

Auch nach Rainer Werner Fassbinders Tod am 10. Juni 1982 – aufgrund von Überarbeitung, Alkohol und Drogen – wurde es nicht weniger ruhig um ihn. Freunde wie Peer Raben, die ihm moralischen und psychischen Halt gegeben hatten, Weggefährten, ohne die sein riesiges Werk nicht zustande gekommen wäre und die seine ungeheure künstlerische Produktivität erst mitermöglicht hatten, konnten sich mit der Aufarbeitung von Fassbinders Nachlass nicht oder nur schlecht arrangieren. So äußerten sich der inzwischen verstorbene Kamerakünstler Michael Ballhaus und auch Fassbinders geschiedene Frau Ursula Carven kritisch zum Umgang mit seiner Person und seinem künstlerischen Erbe. Bücher wurden publiziert, die ganze Bereiche von Fassbinders Leben aussparten, Ausstellungen wurden zusammengestellt, die diese Konflikte ignorierten. Wiederum: Liebe und Macht, die Verflechtung von privater Person und öffentlicher Persönlichkeit – Fassbinder scheint noch heute an diesem Konflikt mitzuwirken.

DER NACHLASS

Zunächst wurde der Nachlass des Regisseurs, Schauspielers und Produzenten von seiner Mutter Liselotte Eder in der von ihr gegründeten Rainer Werner Fassbinder Foundation (RWFF) in Berlin bewahrt und aufgearbeitet; seit dem Jahr 1992 wird diese Arbeit von seiner Film-Editorin und Erbin Juliane Maria Lorenz-Wehling fortgeführt. Diese überlässt jetzt den Großteil der Berliner Sammlung dem Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Ermöglicht wird die Übernahme durch die finanzielle Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung, der Kulturstiftung der Länder sowie der Stadt Frankfurt am Main selbst.

Im Frühjahr 2019 wird nahe der Goethe-Universität und im gleichen Gebäude, das auch das Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften nutzt, eine für die Öffentlichkeit konzipierte Forschungseinrichtung ihre Arbeit aufnehmen, die unter dem Namen Fassbinder Center  noch weitere Sammlungen des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums vereint, beispielsweise zu Fassbinders zeitgenössischen Regie-Kolleginnen und -Kollegen.

Das Center an der Eschersheimer Landstraße bietet vom kommenden Jahr an Räume für Filmvorführungen, Lesungen und Vorträge, Seminare und andere Veranstaltungen. Wer nicht allzu gerne alleine dorthin gehen möchte, wird mit einer beim Escort Frankfurt gebuchten Begleiterin hochzufrieden sein. Attraktive, gebildete Konversation in einem spannenden kulturellen Umfeld – Fassbinder hätte ganz bestimmt nichts dagegen gehabt.

FASSBINDER HEUTE

Der in seiner künstlerischen, politischen und nicht zuletzt persönlichen Radikalität einzigartige Fassbinder gilt heute, mehr als drei Jahrzehnte nach seinem frühen Tod, weltweit als Bezugspunkt und Referenzgröße. Während das Œvre anderer moderner Künstler oft nur zu bald nach deren Tod vergessen wurde, verhält es sich mit Fassbinders Sittengemälden und seinem Nachlass anders. Weltweit gibt es immer wieder Fassbinder-Retrospektiven,  namhafte Museen widmen sich Fassbinders Schaffen. Eine der von Filmleuten besonders beachteten Ausstellungen fand 1997 im Museum of Modern Art in New York statt, zum 70. Geburtstag gab es eine Ausstellung und Filmretrospektive im Berliner Gropius-Bau; die aktuellste ging erst kürzlich im Sommer 2018 in der Cinémathèque française in Paris zu Ende. Viele Bücher und Seminararbeiten wurden und werden bis heute über ihn geschrieben. Er wird noch immer geliebt, gehasst oder ignoriert. Manchmal ist das so, mit Menschen, die polarisieren. Filmschaffende verschiedenster Herkunft beziehen Inspiration aus Fassbinders Werk, zitieren markante Augenblicke oder bauen auf einem kinematografisch-stilistischen Fundament auf, dass es ihnen ermöglicht, ihre eigene Kreativität in bewegte Bilder umzusetzen. Come in and find out!

Details

Beginn:
1. März 2019 | 10:00
Ende:
1. März 2020 | 17:00
Veranstaltungkategorie:

Ort

Deutsches Film Museum
Schaumainkai 41
Frankfurt am Main, 60596
+ Google Karte
Website:
https://deutsches-filminstitut.de
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Beginn:
1. März 2019 | 10:00
Ende:
1. März 2020 | 17:00
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Deutsches Film Museum
Schaumainkai 41
Frankfurt am Main, 60596
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Website:
https://deutsches-filminstitut.de