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NEÏL BELOUFA – SCHIRN FRANKFURT AM MAIN

23. August 2018 | 10:00 - 28. Oktober 2018 | 18:00

Neïl Beloufa, geboren 1985 in Paris und dort aufgewachsen, ist filmisch vorbelastet: Sein Vater ist der algerische Filmemacher Farouk Beloufa, der besonders für sein Werk Nahla (1975) international bekannt wurde. Neïl Beloufa hat Bildende Kunst an der Ecole Nationale Supérieur des Beaux-Arts und der Ecole Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris, an der CalArts in Valencia und bei der Cooper Union in New York studiert. Er hatte bereits Ausstellungen im Shanghaier K1, dem Museum of Modern Art in New York und dem Institute of Contemporary Arts in London.

Sein filmisch-installatorisches Werk setzt sich mit dem politischen Kampf um kulturelle Symbole auseinander, indem es dauerhaft Autorität – nicht zuletzt die des Künstlers – infrage stellt und auf Selbstwidersprüche verweist, ohne Angebote der Auflösung zu liefern. Kunst will in diesem Umfeld keinen passiven „Genuss“ liefern; vielmehr geht es um aktive Auseinandersetzung, um das Aushalten von Spannungen und Widersprüchen, um den Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter, der im besten Fall zu Reflexionen und zum Austausch unter den Besuchern der Installationen anregt.

Anzuraten wäre somit, Beloufas neuestes Werk nicht allein anzuschauen, sondern mit einer Begleitung, die wiederum Anstöße, Anregungen oder Bestätigungen liefern kann. Die Begleitagentur Escort Frankfurt hat zahlreiche intelligente und äusserst angenehme Persönlichkeiten im Repertoire, auf die „Mann“ unbedingt einen Blick werfen sollte . Gerade solch lebendige Kunst, die erst in der Auseinandersetzung mit ihr und im Gespräch über sie ihre volle Wirkung entfaltet, darf die Bedeutung passender Gesellschaft keinesfalls unterschätzt werden. 

BELOUFAS AKTUELLE INSTALLATION

Bis zum 28. Oktober 2018 ist in der Frankfurter Kunsthalle Schirn das ganz aktuelle Projekt des Künstlers zu besichtigen. Neïl Beloufas außergewöhnliche Komposition trägt zusätzlich sein neuestes filmisches Werk in sich – „Global Agreement“: Hiebei handelt es sich um begehbare Installationen in der Rotunde der Schirn und in einem darüber liegenden weiteren Raum.

In die Skulpturen eingelassen, sind Monitore, die eine Collage aus Interviews mit Soldatinnen und Soldaten verschiedener Armeen präsentieren, die über den menschlichen Körper im Spannungsfeld von Politik, Macht und Diskurs reflektieren. Beide Räume sind gegensätzlich angelegt und ergänzen einander. Ein Teil wurde von Beloufa in der eindrucksvollen Rotunde aufgebaut – dem Saal, der der Kunsthalle Schirn als Eingangsbereich dient und der zugleich möglicherweise den eindrucksvollsten Raum des Hauses bildet – sein Durchmesser beträgt 30 Meter, überdacht wird die Rotunde durch eine gläserne Kuppel. Die Wahl dieses Ortes außerhalb der üblichen Ausstellungsflächen der Kunsthalle, an dem die Soldatinnen und Soldaten über ihr Leben reflektieren und auf diese Weise ein intimes Gesprächsangebot liefern, sorgt für ein erstes Innehalten – nicht zuletzt aufgrund der abrupten Konfrontation mit der Kunst. Die gezeigten Berichte dürfen als Teil eines Dialogs verstanden werden, auch wenn völlig offen gelassen wird, inwieweit das Berichtete fiktiv ist oder einen Ursprung in tatsächlich Erlebtem hat.

Weit weniger unmittelbar zugänglich oder zu persönlicher Stellungnahme einladend, sind die im oberen Raum präsentierten Aufzeichnungen. Mit Hilfe von Plexiglas- und Aluminiumflächen erzeugt Beloufa Verfremdungen, Brechungen und Reflektionen. Sie sind Teil der Installation und ihres Verwirrspiels mit den Besuchenden. Jeder Anspruch, Realität abzubilden, wurde hier aufgegeben. Nun geht es darum, zwischen den Schichten der Erzählung die Perspektive des Künstlers, des Autors aufzugeben und unauffindbar zwischen den wechselnden Bildern zu verbergen. Die Rotunde schafft ein System aus Intimität und Anonymität, in dem eine Gesprächsatmosphäre erzeugt wird, in der über die Liebe und das Leben gesprochen werden kann. Der obere Raum der Kunst und der Fiktionen bietet hingegen Rohmaterialien, die sich an Begriffen wie Mitgefühl, Ideologie, aber auch an individuellen Vorlieben und Abneigungen ausrichten. 

KEINE INFORMATION, KEINE MESSAGE!

Der junge französische Künstler versucht nach eigener Aussage ausdrücklich zu vermeiden, dass Kritiker, Journalisten oder auch „normale“ interessierte Besucher seine Kunst auf die Erzeugung einer „message“ reduzieren.

Was der Betrachter für sich erschafft, ist im nächsten Augenblick wieder gezwungen zu dekonstruieren. Wegen der heute empfundenen, wenn auch fiktiven weltweiten Nähe zu jedem Menschen – ermöglicht durch die modernen Kommunikationskanäle –  ist alles Erlebbare näher zusammengerückt. Andererseits jedoch, ist es auch weniger verständlich und verifizierbar geworden. Dies akzeptierend, setzt sich der Frankfurter Besucher den Installationen vollkommen aus und begibt sich als Akteur in das künstlerisch erzeugte Spannungsgefüge aus Intimität und notwendigem Mangel an Vertrauen.

Beloufa weigert sich, auf eine spezifische Aussage oder gar auf eine Überschrift reduziert zu werden: „I have no information to give, it’s not about information, it’s not about politics, it’s not about… It’s a formal attempt, even the video and the interviews.“ (aus dem Interview der Schirn mit dem Künstler). In der Frankfurter Schirn geht es ihm vornehmlich darum, mit Soldaten zu arbeiten, Bilder vorzuschlagen oder anzubieten, die jenen aus Hollywood nicht gleichen, die aber auch nicht von den Armeen selbst hätten produziert werden können. Er will weder für den Krieg werben noch ihn verdammen – beides erschiene ihm anmaßend und faktisch unmöglich. Schon Beloufas Erzählweise und auch die technische Umsetzung der Interviews, spricht von seinem bewusst konstruierten Abstand zu herkömmlichen Erzählweisen.

Mit den auf iPhones gedrehten und dadurch in einer vermeintlichen Nähe durch Umgang mit Alltäglichem erzeugten Interviewsequenzen, sucht er nach einer Lösung, welche die Menschen im System Krieg in den Mittelpunkt rückt und die ihre Werte und Überzeugungen mit der Realität des Krieges vermittelbar macht. Die Interviewten sprechen über ihre Positionen in der Gesellschaft, über ihre Einstellungen zu Ideologien und zu Konflikten – etwas, das Neïl Beloufa interessiert – vielleicht auch, weil ihm diese Welt notwendigerweise fremd ist und bleiben wird.

SPANNUNGSBÖGEN

Neïl Beloufa beschäftigt sich seit einiger Zeit mit Macht und ihrer Inszenierung. Faktoren wie Schönheit, Fitness und Körper stellt er dabei dem Militär und dessen Werkzeugen, den Waffen, gegenüber. Wenn sich Beloufa mit Machtverhältnissen auseinandersetzt, stellt er seine Werke in das Beziehungsgeflecht von „Majorität und Minorität“, „Dominanz und Unterdrückung“ sowie „Wahrnehmung und Wirklichkeit“ (Schirn, Homepage).

Die aktuelle Videoinstallation aus zahlreichen Skype-Interviews Neïl Beloufas mit willkürlich ausgewählten Soldaten und Soldatinnen verschiedener Herkunft, verwischt abstrahierend und bewusst die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Der Besucher wird nicht mit fertigen Antworten „versorgt“, vielmehr strebt Beloufa an, Irritation zu erzeugen, die Position des Betrachters infrage zu stellen sowie physische Repräsentationen unsicher erscheinen zu lassen. „global agreement“ ist notwendig unvollendet, ein „work in progress“. Ob und wie er die Arbeit daran fortführen wird, lässt er selbstverständlich offen.

DIE KUNSTHALLE SCHIRN

Die Frankfurter Schirn wird mit Beloufas Installation zur Bühne, welche die singuläre Position, letztlich auch die Perspektive des Künstlers eliminiert. Die zentral in der Frankfurter Innenstadt gelegene Institution (ihr Name geht auf die bis zum Zweiten Weltkrieg dort befindlichen Verkaufsstände der Metzger zurück), eröffnet im Jahr 1986, bietet auf 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche einen idealen Raum, um radikal moderne Kunst zu präsentieren, Rezeptionsmuster inFrage zu stellen und zu destabilisieren, die Moderne selbst in jeder neuen der bislang rund 240 Ausstellungen zu problematisieren.

Hierfür arbeitet die Kunsthalle Schirn, die seit 2001 vom Österreicher Max Hollein geführt wird, beispielsweise mit der Londoner Tate Gallery, dem Pariser Centre Pompidou, dem Museum of Modern Art in New York, aber auch der Sankt Petersburger Eremitage zusammen. Die präsentierten Künstler reichen dabei von Seurat über Kogler bis Schjerfbeck. Hochwertige, international beachtete Publikationen ergänzen ihre Ausstellungsarbeit. Die Mission der Schirn Kunsthalle formuliert sie anspruchsvoll und selbstbewusst folgendermaßen: „Die Schirn versteht sich als Ort der Entde­ckun­gen und als Seis­mo­graph für brisante Entwick­lun­gen in der Bilden­den Kunst. Dabei äußert sie streit­bare Meinun­gen, eröff­net Debat­ten und bietet Raum für einen akti­ven Austausch über die Rele­vanz der Kunst für unsere Gesell­schaft.“

Die neue Ausstellung mit Neïl Beloufas Videoinstallation „Global Agreement“ ist ideal und symptomatisch für dieses radikal neue Kunstverständnis, das sich nicht auf perfekt präsentierte Ausstellungen beschränken mag, sondern den Dialog mit seinen Besuchern fordert. Escort Frankfurt sieht sich dieser Herausforderung gewachsen – ein Anzweifeln überkommener Regeln, hingenommener Traditionen, neues, gründliches Denken: Das sind Ansprüche, denen wir uns gerne stellen. Ausstellungsinteressierten bietet sich somit ein zusätzliches sounding board, ein gesicherter Raum für Reflexion und vielleicht notwendige nachträgliche Stabilisierung.

Details

Beginn:
23. August 2018 | 10:00
Ende:
28. Oktober 2018 | 18:00
Veranstaltungkategorie:

Ort

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
Römer­berg
Frank­furt, 60311
+ Google Karte
Website:
http://www.schirn.de
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23. August 2018 | 10:00
Ende:
28. Oktober 2018 | 18:00
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SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
Römer­berg
Frank­furt, 60311
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Website:
http://www.schirn.de