Ein Würmchen Bei Mutti

Bis zum 22.08.2016 zeigt die Berlinische Galerie in Kreuzberg die Ausstellung Bei Mutti des österreichischen Künstlers Erwin Wurm. Bewährt humorvoll zeigt Wurm seine neuen und verrückten Einfälle, das Mobiliar oder den Körper der Museumsbesucher betreffend. Auch der Nachbau seines Elternhauses ist zu sehen, allerdings mit einem Twist, der nicht jedem Gefallen dürfte.

In diesen Tagen fragt man sich: Darf in Deutschland noch Satire sein? Muss sie nicht sogar sein? Braucht die Gesellschaft nicht des Öfteren einen Spiegel vorgehalten? Warum sind eigentlich Hofnarren ausgestorben?

Statt der Hofnarren, gibt es Künstler wie Erwin Wurm, die sich gleichermaßen humoristisch wie hintergründig mit dem Irrsinn der heutigen Gesellschaft beschäftigen. Schönheits- und Jugendwahn, Autos oder Anleitungen für das Leben sind seine Themen. Schon 1987 arbeitete der Künstler als Stipendiat des DAAD-Künstlerprogramms in der deutschen Hauptstadt. In dieser Zeit ändert sich seine Arbeitsweise von Grund auf: Er beginnt die Grenzen zwischen Skulptur, Objekt und Performance auszuloten.

„Humor ist eine Waffe“

Humorvoll nimmt Wurm den Formalismus eines Heinrich Wölfflin und Alois Riegl aufs Korn. Die Theoretiker machten die kunsthistorische Methode zur Interpretation eines Kunstwerkes Anfang der 1920ziger Jahre bekannt. Je mehr Form-Autonomie ein Werk besitzt, desto künstlerisch wertvoller ist es. Betrachtet man ein Werk nach formalistischen Ansätzen, wird immer die Farbe, Linie, Komposition und Textur betont. Selbiges lässt sich auch von Wurms überspitzen Performances, Skulpturen und Objekten sagen, die die Überbetonung beziehungsweise Deformation der Form eint.

Erstmals ehrt ein Berliner Museum den Österreicher Erwin Wurm mit einer monografischen Ausstellung. Die Berlinische Galerie zeigt Werke, die den Körper, meist die des Betrachters in den Mittelpunkt rücken und zum Teil des Kunstwerkes werden lassen. Es sind die berühmten One Minute Sculptures, die durch Zeichnungen ergänzt werden. In der gesamten Ausstellung geht es um den Körper und Körpererfahrungen. Was passiert mit uns, wenn wir zu einer temporären Skulptur werden, statt einfach nur Rezipient zu sein?

Zentrales Werk und mitverantwortlich für den Titel der Ausstellung Bei Mutti ist das Narrow House, ein detailgetreuer und begehbarer Nachbau von Wurms Elternhaus, mit einer Besonderheit die sich nicht für Phobiker eignet. Im dritten Teil der Präsentation zeigt das Berliner Haus Wurms neue skulpturale Arbeiten aus den letzten Monaten.

Zuhause ist es doch am schönsten. Oder?

In Wurms Œuvre spielen Heimat, Provinzialität, Kleinbürgertum und die Wohlstandsgesellschaft eine große Rolle. Des Künstlers Elternhaus steht in Bruck an der Mur, in der Steiermark wo der Künstler 1954 geboren wurde. In Berlin können Sie dieses in der Eingangshalle des Museums, gestaucht auf 1,10 Meter begehen.  Kleiner Tipp von uns: Die Kontaktaufnahme mit Ihrer sexy Escort Berlin Begleitung war nie einfacher 😉

Für Klaustrophobiker ist die Begehung des Hauses allerdings nichts. Vor dem Besucher ragt die minimierte Schmalseite eines typischen Provinzgebäudes auf. Die Enge seiner österreichischen Heimat wird erfahrbarer als je zuvor. Vor allem körperlich.

2011 war das Haus auf der Biennale in Venedig zu sehen. Dort stand es am Canale Grande neben einem venezianischen Palast. Größer konnte der Kontrast zwischen kleinbürgerlichem Wohnidyll und Großbürgertum nicht sein. Wurm baute sein Elternhaus aus dem Gedächtnis nach und machte das surreal anmutende Gebäude zu einer begehbaren Skulptur.

Vielen wird diese kleinbürgerliche Wohnwelt aus den Nachkriegsjahren bekannt vorkommen, fast körperlich spürt man die spießige Beschränktheit der Provinz. Wurm zeigt die Enge, welcher er als Kind in der österreichischen Gesellschaft empfand oder im Rückblick empfunden haben musste. Jeder der nach Auszug in sein Elternhaus zurückkehrt, kennt die Zwänge der Kindheit, die einen sofort wieder umfangen.

Dabei verhöhnt Wurm sein Zuhause keineswegs. Seine Vorarlberger Kindheit erstickte sicher nicht nur in Spießigkeit, sondern muss auch amüsant gewesen sein, davon zeugen Fotografien an den Wänden die Klein-Erwin in Verkleidung zeigen. Könnte Wurm sonst in der Gegenwart mit einem solch hintersinnigen Humor brillieren?

Zeitgemäßer Wiener Aktionismus

Wien ist seit den siebziger Jahren durch die Wiener Aktionisten Günter BrusOtto MuehlHermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler eine Hochburg der Körperarbeit und der Performances. Diesen Generes widmet sich auch Erwin Wurm, allerdings unblutiger und weniger gemeinschaftlich- von der One Minute Sculptures abgesehen. Dennoch haben die Künstler ähnliche Ziele: Die Entlarvung gesellschaftlicher Wirkweisen und Strukturen. Die Wiener Aktionisten schockierten damit das Bürgertum, während sich Wurm am Kleinbürgertum und der modernen Wohlstandsgesellschaft abarbeitet.

Seit Ende der achtziger Jahre arbeitet Wurm an seinen One Minute Sculptures, die Personen mit alltäglichen Objekten in sonderbaren und überspitzten Posen zeigen. Die Besucher der Berliner Ausstellung folgen dabei den Handlungsanweisungen des Künstlers und werden für eine Minute zu einer lebenden Skulptur. Die benutzten Objekte der unmittelbaren Arbeiten werden dabei zweckentfremdet und wirken fast gewalttätig. Diese Interventionen erinnern an Kurz-Performances und kleine Theaterstücke.

Die beteiligten Personen kämpfen mit den gestellten Aufgaben oder bringen Gegenstände zum Einsatz, die ihnen der Künstler andient und sie gleichzeitig anweist, wie die Objekte einzusetzen sind. Erst durch die Partizipation der Ausstellungsbesucher gelingen sinnliche Gesamtkunstwerke.

Die One Minute Sculptures existieren nur, wenn die Besucher sich beteiligen, wenn sie Wurms auf Zetteln geschriebenen und gezeichneten Anweisungen folgen. Da sollen sich Stühle vor die Brust geschnallt, auf ein Podest gestiegen oder an den Philosophen Spinoza gedacht werden. Auch Stifte in Nase, Mund und Ohr sind möglich.

Seit 1997 fordert der Künstler den Skulpturbegriff auf seine ganz eigene Weise radikal heraus. Mit viel Hintergründigkeit, Skurrilität und Humor inszeniert er theatrale Rauminszenierungen, anscheinend mit leichter Hand. Vergänglichkeit ist das Leitmotiv seiner ephemeren Skulpturen.

Die One Minute Sculptures werden fotografisch oder auf Video dokumentiert. Er schafft einen Übergang zwischen verschiedenen Ebenen eines Werkes und überwindet die Trennung von Zwei- und Dreidimensionalität, lässt kaum Unterscheidungsraum zwischen Werk und Handlung oder Rezipient und Künstler. Durch die mediale Bannung verlieren die Arbeiten ihre Flüchtigkeit.

Auch die Populärkultur referiert auf Wurms One Minute Sculptures, wie zum Beispiel das Musikvideo Can’t Stop der amerikanischen Band Red Hot Chilli Peppers aus dem Jahr 2003. Dank des Bezuges wurden die Kurz-Performances von Wurm weltweit bekannt.

Doch wo nahm das Künstlerleben des heute international erfolgreichsten Vertreters österreichischer Gegenwartskunst seinen Anfang? Mit zwanzig Jahren immatrikuliert sich Erwin Wurm an der Universität Graz für die Fächer Kunstgeschichte und Germanistik. Ab 1977 schließt er ein zweijähriges Studium an der Salzburger Hochschule für Darstellende Kunst im Fach Kunsterziehung an. Zwischen 1979 und 1982 folgt ein Studium der Gestaltungslehre an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst. Würmchen nannten sie in dort, gefallen hat ihm das nie. Nach dem Studium begann er als freier Künstler zu arbeiten. Sein Kernthema wird die Auslotung der Skulptur, dennoch schafft er über die Zeit ein vielfältiges Œuvre. Die frühen Skulpturen sind bunt und futuristisch, darauf folgen die sogenannten  Staubobjekte, die Umrisse verschwundener Dinge im Staub zeigen.

Erwin Wurms außergewöhnliche Arbeiten werden seit langem mit Einzelausstellungen in internationalen Museen geehrt. Die renommiertesten Museen weltweit besitzen außerdem seine Arbeiten, darunter die National Gallery of Victoria in Melbourne, die Österreichische Galerie Belvedere in Wien, das Pariser Centre Pompidou, das Museum Ludwig in Köln, das Kunsthaus Zürich oder das Solomon R. Guggenheim Museum in New York.

Der Künstler als Lehrer und Mentor, auch in dieser Tradition steht Wurm.

Von 2002 bis 2010 lehrte er als Professor für Bildhauerei, Plastik und Multimedia am Institut für Bildende und Mediale Kunst der Universität für Angewandte Kunst Wien. Erwin Wurm lebt und arbeitet in Wien und New York.

„Poesie der Verschiebung von Wertigkeiten“

Mit rund 80 Arbeiten widmet sich die Ausstellung auch erstmals dem zeichnerischen Werk des Künstlers. Gezeigt werden vorrangig Zeichnungen, die die Entstehung der One Minute Sculptures begleiten und ergänzen. Sie lassen sich als Anleitungen zu Wurms bizarrer Skulpturenwelt lesen. Man hört viel Gekichere im Museum, doch hinter der oberflächlichen Witzigkeit von Wurms Arbeiten, steckt mehr Tiefe als auf den ersten Blick gedacht. Durch den Einsatz von Gegenständen des täglichen Bedarfs, zeigt er uns wie abhängig wir davon sind. Die Objekte sind sozusagen die Erweiterung unseres menschlichen Körpers, ohne die, so scheint es, wir nicht mehr auskommen.

Der dritte Teil der Präsentation widmet sich skulpturalen Arbeiten, aus den vergangenen Monaten. Wurm bildet Alltagsobjekte aus seinen Geburtsjahren nach und verfremdet sie durch Verformung, Zerstörungsmale und Proportionsverschiebungen. Treffender Titel: Neue Werke. Er zeigt uns an Telefonen, Sideboards oder Kühlschränken eine „de-Form-ation“ der Dinge, die durch die Einwirkung des menschlichen Körpers eine „Poesie der Verschiebung von Wertigkeiten“ erhält.

Man kann es nicht anders sagen: Lachen ist gesund, aber über sich selbst zu lachen will gelernt sein. Probieren Sie es doch mal aus und lassen sich von Erwin Wurm intelligent erheitern. Machen Sie sich ein schönes Museums-Wochenende in Berlin, am liebsten mit einer kunstaffinen und charmanten Excellent Escort Begleitung. Selbstverständlich haben wir zur Abrundung Ihres Aufenthaltes auch Vorschläge für Spitzen-Restaurants (intern verlinken), Spas (intern verlinken) und Hotels (intern verlinken) der Hauptstadt für Sie zusammengetragen.