Der heutige Blog wird einer Frau gewidmet, die nicht nur rein modetechnisch ihren Stiefel durchzieht und Kritiker einfach nicht an sich heranlässt. Das funktioniert ganz leicht, denn wenn man auf Perfektion bedacht ist und täglich hart daran arbeitet, hört man Stimmen aus dem Off erst gar nicht. Das weiß ich nicht zuletzt aus eigener Erfahrung ;-). Sie selbst sagt von sich, sie hätte vermutlich viele Männer in ihrem Leben verpasst, aber kein einziges Outfit und genau das ist Anna Dello Russo, die als Editor at Large & Kreativberaterin bei der japanischen Vogue tätig ist.

„Ich bin verrückt nach Mode, ein richtiger Nerd“

Mit ihrem extravaganten Stil –knallbunte Oversize-Mäntel, ultrakurze Miniröcke, taillierte Musterkleider, dazu XL-Heels, Hüte und Goldschmuck ohne Ende – macht sich die 51-jährige Italienerin bei jedem Event selbst zum Ereignis, wofür sie Designer und Fashion-Fans auf der ganzen Welt lieben. Ihren Erfolg verdankt die gebürtige Apulierin vor allem dem Internet, das Ton und Tempo des Modediskurses prägt und damit Redakteurinnen zu Ikonen macht. Im Jahre 2005 war sie zum ersten Mal auf dem Blog „The Satorialist“ zu sehen, der den Streetstyle-Hype überhaupt erst auslöste. Fünf Jahre später startete sie ihre Seite annadellorusso.com, die Teil des einflussreichen Blogger-Netzwerks „Now Manifest“ ist. Bei der Foto-App „Instagram“ hat sie mittlerweile mehr als 413.000 Fans – das mag schon was heißen.

Schuhe und Kleider, wo man nur hinsieht

Ein Traum einer jeden Frau ist es, neben einem begehbaren Kleiderschrank, ein eigenes Zimmer für Schuhe zu besitzen. Warum so klein gedacht, wenn es auch grösser geht? 😉 Anna Dello Russo besitzt alleine 4.000 Paar Schuhe, die sie, zusammen mit ihren vielen Kleidern in einer eigens dafür angeschafften Wohnung in Mailand aufbewahrt. Die zweite Wohnung in der Modemetropole nutzt sie für sich selbst. Wenn es darum geht, eine Prêt-à-porter-Schau zu besuchen, hat sie alleine mindestens 100 Outfits zur Auswahl dabei.

Man liebt sie, man liebt sie nicht, man liebt sie, man liebt sie nicht…..man….

Neben ihrer immer guten Laune ist dieser Mix aus Leidenschaft und Perfektion eine ihrer größten Stärken. Er sorgt aber auch dafür, dass die meistgebloggte Frau polarisiert wie kein anderer Star der Szene. Dabei ist der Dauerkritikpunkt ihrer Gegner: „Komplett-Looks vom Laufsteg könne jeder anziehen!“ Sie selbst sagt dazu: „Das ist meine Art zu zeigen, dass ich die Mode mehr liebe als mich!“ Und weiter fügt sie hinzu: „Sobald die Kameras auf mich gerichtet sind, muss eben alles makellos sein – sie sind gnadenlos!“ Böse Kommentare sind ihr daher egal, es geht ihr alleine um die Entwürfe der Designer. In einem Interview wünschte sie sich mal, ein Bügel zu sein, um der Mode dienen zu können. Ohne Disziplin, kein Erfolg – auch das könnte ein Motto von Anna Dello Russo sein. Sie schwimmt jeden Morgen zweieinhalb Stunden und praktiziert Yoga, denn „Sport ist essentiell, wenn die Kleider gut aussehen sollen!“ Während sich einige jüngeren Kolleginnen von diversen Labels ausstatten lassen, wählt die Stylistin ihre Garderobe persönlich aus und erfindet sich immer wieder neu – laut, extrem, kompromisslos, aber stets virtuos.

Excellent Escorts meint: Ich finde diese Frau einfach nur fabelhaft. Was andere sagen, ist ihr egal, sie macht, was sie will und steht dazu. Sie lebt in ihrem Kokon der Mode und hört Gegenstimmen kaum bis gar nicht. Genau das kann man sich dann leisten, wenn man in einer Welt der Disziplin und Perfektion zu Hause ist und dieses nicht als Zwang empfindet, sondern im Idealfall große Freude daran hat. Es ist normal, jeden Tag Sport zu treiben, es ist normal, sich der eigenen Leidenschaft hinzugeben und nur das im Kopf zu haben und dabei ist die Folge, dass man polarisiert, weil die Menschheit diese Art der Perfektion nicht fassen kann. Es geht einfach so weit, kaum schlafen zu wollen, damit einem nichts entgeht und alles für den nächsten Tag perfekt vorbereitet ist. Insofern haben sie und ich etwas gemeinsam. Was mir noch fehlt, ist tatsächlich eine Wohnung für all meine Kleider und Schuhe, denn mittlerweile reicht ein Zimmer nicht mehr aus. Wie sagt man so schön: Was nicht ist, kann ja noch werden – ich arbeite daran ;-). Was einen beim Leben der Perfektion stört, ist für mich ganz klar: Menschen um einen herum, die hier und da Fehler machen, obwohl man alles so schön auf einem Silbertablett serviert hat und alles ganz einfach erscheint. Sie würden den Fehler vielleicht gar nicht bemerken, aber mir fällt er sofort auf und es ärgert mich maßlos. Dabei kann es sich schon um eine Winzigkeit halten – ein „My“ eines Fehlers. Wenn man mich fragt, wäre ich mit mir alleine sehr zufrieden. Kontaktwunsch nach außen? Nicht, wenn es nach mir ginge ;-).

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