Ferragamo

…oder auch nicht – EE über Ferragamos Märchenschuhe // 

EE berichtet heute über die neueste Ausstellung des Salvatore Ferragamo Museums mit dem Titel „Der wundersame Schuhmacher – Märchen und Legenden über Schuhe und Schuhmacher”, die noch bis zum 31. März 2014 große und kleine Besucher in Florenz zum Träumen verführen möchte. So werden nicht nur rund einhundert paar märchenhafte Schuhe aus dem Fundus von Ferragamo gezeigt, die Frauenherzen in der ganzen Welt bis heute begehrlich höher schlagen lassen, sondern auch Exponate, zu denen unzählige Überraschungen rund um Ferragamos fabelhafte Fußbekleidungsmodelle zählen. Von magischen Wunderwerken aus dem Reich der Märchen, Sagen und Legenden bis hin zu Werken historischer wie zeitgenössischer Kunst.

Fangen nicht alle Märchen mit „Es war einmal…“ an? So auch dieses: Es war einmal ein Junge, der als das elfte von vierzehn Kindern in einem kleinen Dorf namens Bonito in der süditalienischen Region Kampanien zur Welt kam. Man schrieb das Jahr 1898. Der kleine Salvatore zeigte schon recht früh einen ausserordentlichen Hang zur Kreativität – er entwickelte, eher atypisch für das männliche Geschlecht, eine ganz besonders große Leidenschaft für Schuhe. Bereits im zarten Alter von gerade einmal neun Jahren entwarf er sein allererstes Paar. Es waren weiße Schuhe, die er heimlich bei Nacht im Kerzenschein aus einfachsten Materialien fertigte, um sie seiner Schwester zur Erstkommunion zu schenken. Mit elf Jahren ging er bei einem Schuhmacher in Neapel in die Lehre, mit dreizehn Jahren eröffnete er sein eigenes Geschäft in Bonito und bereits ein Jahr später bestieg er ein Schiff nach Amerika, um dort auf der Suche nach „Schuhen, die perfekt passen” sein Glück zu machen. Sicher, damals herrschten andere Zeiten – Schulbildung war allenfalls der gehobenen Gesellschaftsschicht vergönnt – umso bewundernswerter ist der Mut und der ungebrochene Arbeitswille, der in solch einer kleinen Person steckt. Gibt’s das heute noch? Eher selten bis gar nicht. Der Drang, reich zu werden, etwas zu besitzen und besser zu sein als alle anderen kann zum größten Antrieb werden. Darüber zu sprechen, ist im Prinzip so, wie dem Blinden beim Beschreiben von Farben zuzuhören. Ich pflege gerne zu sagen: man ist so, oder eben nicht – es gibt nichts dazwischen. Getrieben vom Gedanken, etwas zu erreichen, arbeitete er zunächst im Schuhunternehmen seiner beiden Brüder und belegte, mit Sinn für unkonventionelle, aber höchst effektive Weiterbildungsmaßnahmen Kurse an der Universität in menschlicher Anatomie. Um den Fuß zu verstehen, musste er den Körper verstehen – ein cleverer Gedankengang. So eröffnete Anfang der 1920er Jahre einen kleinen Laden in Kalifornien und machte eine steile Karriere. Er eroberte die Glitzerwelt des Films und durfte die schönsten aller Hollywooddiven mit High Heels ausstaffieren -wer stöckelt da nicht gerne dem Happyend entgegen? ;-). Und so hatte er es geschaft: Im Alter von 30 Jahren kehrte Salvatore Ferragamo, inzwischen reich und berühmt, wieder nach Italien zurück, um in Florenz endgültig die Heimat für seine meisterliche Handwerkskunst zu finden und vollends zur Legende zu werden. Im Jahre 1960 verstarb Ferragamo, jedoch wird das grandiose Erbe des „wundersamen Schuhmachers“ durch seine Familie recht erfolgreich weitergeführt.

Die Legende lebt

Im Palazzo Spini Ferroni, der seit 1938 traditioneller Sitz des Modehauses Ferragamo ist, richtete sie das ihm gewidmete Firmenmuseum ein. Nun zeigt die Modemarke mit „The Amazing Shoemaker – Fairy Tales and Legends about Shoes and Shoemakers“ eine neue, märchenhafte Schau. In ihr wird die wahre Lebensgeschichte von Salvatore Ferragamo, die selbst abenteuerlicher als jedes Drehbuch klingt, zum Leitmotiv und liefert den beteiligten Künstlern jede Menge Mythen-Stoff für eigene Werke. Ein Highlight ist ein eigens für die Schau gedrehter Kurzfilm „White Shoe“ über die frühe Episode aus dem Leben des jungen Ferragamo. Zwei Stars des Fantasyfilms haben ihn gedreht: Mauro Borrelli, der als Storyboard-Künstler schon für „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ von Terry Gilliam und Francis Ford Coppolas „Dracula“ zuständig war. Ausserdem Rick Heinrichs, Oscar-prämierter Drehbuchautor von Tim Burtons „Sleepy Hollow“. Ein zweiter Film des Italieners Francesco Fei macht den Schuh zum Mittelpunkt einer nicht minder märchenhaften Fantasy-Reise. Frank Espinosa, der namhafte New Yorker Comicautor, Animator und Cartoonist von Disney and Warner Bros. hat eine Graphic Novel über Signore Ferragamo gezeichnet. Sogar ein Musikstück wurde eigens als Ouverture für die Ausstellung komponiert. Von keinem geringeren als Luis Enríquez Bacalov, dem mit einem Oscar ausgezeichneten argentinischen Filmkomponisten, der schon Michael Radfords „Der Postmann“ und zahlreiche Italowestern wie „Django“ vertonte sowie für Quentin Tarantino die Titellieder zu „Kill Bill“ und „Django Unchained“ lieferte.

Der Schuhmacher der Stars

Kein Märchen: ohne Salvatore Ferragamo, den gefeierten „Schuhmacher der Stars“, hätte wohl halb Hollywood barfuß laufen müssen. Bereits in Stummfilmproduktionen großer Regisseure wie Cecil B. DeMille und D. W. Griffith sind seine Schuhe auf der Filmleinwand zu sehen. Berühmte Schauspielerinnen wie Greta Garbo, Gloria Swanson, Mary Pickford oder Marlene Dietrich liebten seine Maßanfertigungen und machten seinen Namen unter Prominenten populär. 1939 singt und tanzt Judy Garland in den berühmten signalroten Schuhen von Ferragamo durch den Musical-Film „der Zauberer von Oz“ – diese und seine metallic-glänzenden Paillettenpumps machten ganz gewaltig Furore. Salvatore Ferragamo erfand die zehenlose Highheel-Sandalette ebenso wie den Keilabsatz (heute „Wedges“ genannt – man liebt oder hasst sie. Ich persönlich stecke sie in dieselbe Schublade wie Plateau-Schuhe, welche für mich ein absolutes No go darstellen). In den 1950er Jahren entwirft er die Ballerinaschuhe von Audrey Hepburn. Kurz darauf machte Marilyn Monroe die Zehn-Zentimeter-Heels des Schuhdesigners unvergessen. Der erste Auftritt in der Sonderschau ist den märchenhaften Kreationen des Schuhkünstlers gewidmet. In mystisches Halbdunkel gehüllt, werden sie geheimnisvoll hinter Glas oder in einem großen, antiquarischen Drahtvogelkäfig effektvoll präsentiert: mit funkelnden Strasssteinen besetzte Heels, mit Meereswogen und Segelschiffen verzierte Pumps, von Blütenzauber, duftigen Rosetten und schmetterlingsleichten Dekoren umhüllte Traumschuhe, aus denen man als Mann nur allzu gerne Champagner schlürfen und in denen nicht nur ein Aschenputtel oder ein Schneewittchen „bella figura“ machen würde.

Magische Kunstmomente

Künstler aller Art haben Hommagen verschiedenster Couleur an Salvatore Ferragamo und den sagenhaften, phantastischen Kosmos seiner Schuhe aus bekannten Märchen geschaffen. Autoren wie z.B. Hamid Ziarati, Michele Mari oder Elisa Biagini schrieben neue Märchen, illustriert von Michela Petoletti und Francesca Ghermandi. Die Fotografen Arrigo Coppitz, Simona Ghizzoni und Lorenzo Cicconi Massi setzten Ferragamos Schuhe auf fantastische Weise märchenhaft in Szene. Bildende Künstler, darunter Stars wie Mimmo Paladino, Carol Rama, Daniel Spoerri oder Rebecca Horn ließen sich von Märchenschuhen und Schuhmärchen wie den Siebenmeilenstiefeln, dem gestiefelten Kater oder Hans Christian Andersens „Die roten Schuhe“ inspirieren. Auch beflügelten Cinderellas gläserne Zauberschuhe oder solch fabelhafte Schuhmodelle wie Merkurs Götterbotensandalen, die ebenfalls als wertvolle Museumsleihgabe und als Skulptur von Giambologna gezeigt werden. Selbst das unschätzbar kostbare Originalmanuskript „Die wundersame Schustersfrau”, eine Komödie von Federico Garcia Lorca, durfte zu Ehren des wundersamen Schusters Ferragamo nach Florenz reisen.

Florenz ist immer wieder eine Reise wert. Alleine ist alles aber nur halb so schön und daher schlagen wir fromm, frei und selbstlos vor, sich einer hübschen Begleitung unseres Hauses zu bedienen. Egal, ob sie nun eine an- und erregende Zeit im Hotelzimmer verbringen, gemeinsam durch die Stadt schlendern oder Ihrer Herzdame, genauso gekonnt und charmant wie Ferragamo einst der Loren, einen High Heel über den hoffentlich zarten Fußen streifen – nutzen Sie Ihre Freizeit und gönnen sich einfach mal ein wenig Auszeit vom stressigen Alltag und belohnen sich zur Abwechslung einfach mal selbst.

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