Ein Luxusbordell im Paris der Belle Epoque; es gibt zwölf junge Damen, die im Apollonide Herren zu Diensten stehen. Das bedeutet zunächst einmal: sich waschen, schminken, anziehen, warten, reden. Am Abend kommen dann die Herren, um ihre sexuellen Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen oder, gemeinsam mit einer schönen Frau, ihre Einsamkeit zu vergessen.

Das Werk von Bertrand Bonello, dem Regisseur und Drehbuchautor, wirkt wie eine Dokumentation einer fremden Epoche. Das Apollonide – das Haus der Sünde, ist mit viel Liebe zum Detail und ausgesprochen gutem Handwerk rekonstruiert worden. Das Fin-de-siècle, mit dem Dekor und den Kostümen, könnte tatsächlich so um 1900 exerziert haben und verzaubert den Zuschauer ab der ersten Minute.

Bonello führt den Zuschauer in die Position des Voyeurs, der zum einen zeigt wie gewalttätig ein Freier sein kann, der um die Abhängigkeit der Prostituierten weiß und zum anderen die verschiedenen Sichtweisen der dort handelnden Person. Viele der dort arbeitenden Frauen haben bei Madame Marie-France (Noémie Lvosky), der Betreiberin des Hauses der Sünde, Schulden und können das Bordell nicht einfach verlassen. Eine der Möglichkeiten wäre, sich in einen Freier zu verlieben, der dann die Schulden der Prostituierten zahlt, um sie im Nachgang zu heiraten. Pikant wird es, als sich die 15-jährige Pauline (Iliana Zabeth) bei Madame bewirbt und in die Geheimnisse der Prostitution eingeführt wird; von Sauberkeit bis zu Sexpraktiken bleibt kein Thema aussen vor-sehr spannend.

Der Film lädt den Zuschauer dazu ein, eine etwas männlich gefärbte Sicht auf die Prostitution um 1900 zu werfen. Die wunderschönen Bilder aus einer längst vergangen Zeit entschuldigen wirklich viel.

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