Henry Millers „Sexus“ – der erste Band seiner dreiteiligen Autobiographie „The Rosy Crucifixion“ – kann man als ein Plädoyer für ein befreiteres Leben betrachten. Gleichzeitig ist es aber auch eine romantische und grandiose Liebesgeschichte. Das Buch wurde 1947 von dem damals 56-jährigen und bereits als Skandalautor bekannten Henry Miller veröffentlicht. Es handelt sich um ein sehr scharfsinniges Werk, das die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der seine Frau und sein Kind verlässt, weil er sich unsterblich in eine junge Frau verliebt. Die Liebesgeschichte, mit all ihren Sex- und Eifersuchtsexzessen ist gleichzeitig die dynamische Vorratskammer für die Romane, die Miller in späteren Jahren veröffentlicht.

Unbekümmert um alle moralischen und formalen Schranken der Zeit und mitgerissen von der Sturzflut seiner eigenen Erinnerung, hat Miller in diesem vielleicht obszönsten seiner Bücher ein Stück seines chaotischen-turbulenten Lebens reproduziert: ein orgiastischer Hymnus auf die physische Liebe und ein befreites Leben, Zeugnis einer Aufrichtigkeit, die Kompromisse verachtet.

Ein kleiner Auszug aus dem Buch:
„(…) Die Frau, die ich Stück für Stück, Füße, Hände, Haare, Lippen, Ohren, Brüste, vom Nabel zum Mund und vom Mund zu den Augen forschend betrachtete, der ich verfallen war, in die ich meine Krallen schlug, die ich biss und mit Küssen erstickte – die Frau, die Mara gewesen und jetzt Mona war, die andere Namen gehabt und haben würde, die als ein anderer Mensch in anderer Umgebung und unter anderen Bedingungen gelebt hatte und leben würde –, war ebenso undurchdringlich wie eine kalte Statue in dem vergessenen Garten eines verlorenen Kontinents. Mit neun Jahren oder früher mochte sie auf den ohnmächtigen Abzug eines Revolvers, der nie dazu bestimmt war, loszugehen, gedrückt haben und war wie ein toter Schwan aus den Höhen ihrer Träume gestürzt. Es könnte sehr wohl so gewesen sein, denn körperlich war sie aufgelöst, geistig wie hierhin und dorthin verstobener Staub. In ihrem Herzen schlug eine Glocke, aber was das bedeutete, wußte niemand. Ihr Bild entsprach keinem der Bilder, die ich mir in meinem Herzen geformt hatte. Sie hatte mir dieses Bild aufgedrängt, es wie hauchdünne Gaze in einem Augenblick des Verletztseins tief zwischen die Windungen meines Gehirns gleiten lassen. (…)“

Alexandra Kamp hat die Geschichte nun als erste Frau als Hörbuch eingesprochen. Kamp ist eine bekannte deutsche Schauspielerin. Anfang 2009 erschien das Hörbuch auf vier CD’s.

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